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Wie funktioniert Studieren in Österreich?

Universität in Wien, Fachhochschule in Graz oder doch Privatuni in Innsbruck? Spätestens nach der Matura stellt sich für viele die Frage, wo, was und an welcher Hochschule sie weitermachen sollen. Mit über 70 Institutionen in ganz Österreich ist die Auswahl groß. Welche Möglichkeiten es gibt, was man für ein Studium braucht und wie die verschiedenen Universitätsstädte das Studienerlebnis prägen, verraten wir Ihnen hier.

Welche Arten von Hochschulen gibt es in Österreich?

Hinter dem Begriff „Hochschule“ verbergen sich in Österreich drei verschiedene Einrichtungstypen, die sich in Ausrichtung, Schwerpunkten und Studienorganisation deutlich voneinander unterscheiden. Welche Wahl die richtige ist, hängt also nicht nur vom gewünschten Studienfach ab, sondern auch davon, wie praxisnah, forschungsorientiert oder kreativ man studieren möchte.

Universitäten

Universitäten sind die klassischen und ältesten Hochschulen Österreichs. Sie verbinden Forschung und Lehre und decken ein breites Fächerspektrum ab, das von Geisteswissenschaften über Naturwissenschaften und Medizin bis hin zu Rechtswissenschaften, Wirtschaft und Theologie reicht. 

Für eine künstlerische Ausbildung in Bereichen wie Bildender Kunst, Design, Musik, Schauspiel und Tanz gibt es spezielle Kunst- und Musikuniversitäten. Der Zugang erfolgt fast ausnahmslos über Eignungsprüfungen, in denen Bewerber:innen ihr künstlerisches Talent unter Beweis stellen müssen.

Daneben gibt es Privatuniversitäten. Inhaltlich bieten diese oft spezialisierte Studiengänge in Bereichen wie Medizin, Wirtschaft, Kunst oder Musik, die an staatlichen Universitäten nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sind.

Fachhochschulen

Im Gegensatz zu den eher forschungsorientierten Universitäten setzen Fachhochschulen auf eine praxisnahe Ausbildung. Die Studiengänge sind klar strukturiert, mit festen Stundenplänen und häufig auch verpflichtenden Praktika, die Studierende direkt auf den Berufseinstieg vorbereiten.

Pädagogische Hochschulen

Wer Lehrer:in werden möchte, studiert an einer Pädagogischen Hochschule. Neben fachlicher Wissensvermittlung wird dort besonderer Wert auf pädagogische und didaktische Kompetenzen gelegt.

Welche Studienabschlüsse gibt es in Österreich?

Das Studium ist in Österreich, wie in den meisten europäischen Ländern, nach dem dreistufigen Bologna-System aufgebaut. Unter anderem legt dieses allgemein vergleichbare Abschlüsse fest:

  • Bachelor: Bildet die Grundlage und dauert meist drei Jahre. Vermittelt ein breites Fachwissen und qualifiziert für den ersten Berufseinstieg oder das weiterführende Masterstudium.
  • Master: Dauert in der Regel zwei Jahre und baut auf einem Bachelorabschluss auf. Wer sich in einem bestimmten Teilgebiet spezialisieren oder den Zugang zu höheren Berufspositionen erleichtern möchte, ist hier richtig.
  • Doktorat: Den höchsten akademischen Grad bildet das Doktorat, das drei bis vier Jahre Forschungsarbeit umfasst und mit einer Dissertation abschließt. Dabei handelt es sich um eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit, die anschließend im Rahmen der sogenannten Defensio öffentlich verteidigt wird.

Übrigens: Das dreistufige Bologna-System mit Bachelor, Master und Doktorat wurde in Österreich erst in den 2000er-Jahren eingeführt. Davor gab es das acht- bis zehnjährige Diplomstudium mit Magister-Abschluss sowie für kurze Zeit den Bakkalaureus als ersten akademischen Grad, bevor sich der international gebräuchliche Bachelor durchsetzte.

Ganz verschwunden ist das alte System aber nicht. Manche Fächer, etwa Rechtswissenschaften, Katholische Theologie oder Veterinärmedizin, haben das Diplomstudium und den Magistertitel bis heute beibehalten. Und wer seinen Titel noch im alten System erworben hat, darf ihn selbstverständlich behalten. Ein Mag. oder Dipl.-Ing. von damals ist bis heute uneingeschränkt gültig und gilt als gleichwertig zum Master.

Was brauche ich, um in Österreich zu studieren?

Grundvoraussetzung für ein Studium in Österreich ist die sogenannte allgemeine Universitätsreife. Der häufigste Weg dorthin führt im österreichischen Schulsystem über die Matura, die zum Studium aller Fächer an allen Hochschultypen Österreichs berechtigt. Wer keine Matura hat, kann die Universitätsreife auch über die Berufsreifeprüfung oder die fachgebundene Studienberechtigungsprüfung erlangen.

Bei zulassungsbeschränkten Fächern kommen zusätzliche Aufnahmeverfahren dazu, manche Studien verlangen außerdem die sogenannte besondere Universitätsreife in Form einzelner Zusatzprüfungen: Latein für Rechtswissenschaften oder Geschichte (“Latinum”), Biologie für Medizin oder Darstellende Geometrie für Architektur. Diese Zusatzprüfungen können allerdings auch im Rahmen des Studiums nachgeholt werden.

An Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen und Privatuniversitäten gelten eigene Zugangsregeln: Fachhochschulen nehmen oft auch Personen ohne Matura auf, sofern sie eine fachlich relevante berufliche Qualifikation mitbringen, und haben durchgehend Aufnahmeverfahren. Pädagogische Hochschulen verlangen zusätzlich zur Universitätsreife ein Eignungsverfahren, Privatuniversitäten haben ihre eigenen Prozesse mit Bewerbungsunterlagen und Aufnahmegesprächen.

Kann man als Nicht-Österreicher:in in Österreich studieren?

Wer nicht in Österreich in die Schule gegangen ist, kann sein Zeugnis grundsätzlich anerkennen lassen, sofern es im Wesentlichen gleichwertig zur österreichischen Matura ist. Ist Deutsch nicht die Erstsprache, braucht es zusätzlich die ÖSD-Prüfung oder einen äquivalenten Sprachnachweis über Deutschkenntnisse auf Niveau B2 oder C1.

Hörsaal

Welche sind die besten österreichischen Universitätsstädte?

„In Österreich studieren“ bedeutet in jeder der großen Universitätsstädte etwas ganz anderes. Sieben Städte mit jeweils eigenem Charakter stehen zur Wahl; und mit der Stadt entscheidet man sich auch für eine ganz eigene Studienkultur und Atmosphäre, die die nächsten Jahre prägt.

Wien

Keine andere Stadt in Österreich zieht so viele Studierende an wie Wien. Über 200.000 von ihnen sind hier an einigen der ältesten und renommiertesten Hochschulen des Landes eingeschrieben. Von der fachlich breit gefächerten Hauptuni über die Technische Universität (TU) und die Wirtschaftsuniversität (WU) bis hin zur Universität für Bodenkultur (BOKU) und viele mehr: hier findet sich das größte Studienangebot Österreichs.

Graz

Graz, wo so viele junge Menschen studieren wie nirgends sonst pro Kopf, wird von vielen als Österreichs heimliche Hauptstadt der Studierenden bezeichnet. Mit der traditionsreichen Karl-Franzens-Universität, zahlreichen Fachhochschulen und den technischen, medizinischen und künstlerischen Universitäten findet sich hier ein breites Hochschulangebot. Und der gesamte Studienalltag mit Hörsälen, Kaffeehäusern und Erholung an der Mur spielt sich noch dazu in einer kompakten UNESCO-Altstadt mit kurzen Wegen ab.

Hauptgebäude der Karl-Franzens-Universität in Graz © Universität Graz
Hauptgebäude der Karl-Franzens-Universität in Graz © Universität Graz

Innsbruck

In Innsbruck studiert man mit Bergpanorama vor der Haustür. Die Tiroler Hauptstadt verbindet eine traditionsreiche Universitätskultur mit einem hohen Anteil internationaler Studierender und weltweit renommierten Forschungsschwerpunkten in Quantenphysik, Atmosphärenforschung und Alpenwissenschaften. Die alpine Umgebung prägt den Studienalltag aber auch abseits der Hörsäle: Skifahren, nach der Vormittagsvorlesung oder im Sommer wandern gehen, ist hier kein Klischee, sondern gelebte Realität.

Salzburg

Das sanfte Salzburger Alpenvorland, die hochaufragenden Nördlichen Kalkalpen und die Festung Hohensalzburg: Nicht nur die Salzburger Festspiele – eines der bedeutendsten Festivals in Österreich – finden vor dieser Kulisse statt. Auch über 23.000 Studierende lernen hier, viele davon am international renommierten Mozarteum oder an der Paris-Lodron-Universität, mit klarem Schwerpunkt auf Musik, Kunst und Geisteswissenschaften.

Mozarteum in Salzburg © Andreas Praefcke
Mozarteum in Salzburg © Andreas Praefcke

Linz

Linz hat in den letzten Jahrzehnten einen bemerkenswerten Wandel vollzogen: von einer Industriestadt zu einem Zentrum für Kunst, Technologie und digitale Kultur. Kein Wunder also, dass es besonders Studierende der Technik-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften hierher zieht. Auch die renommierte University of Art and Design ist hier zu Hause und bringt eine aktive Kunstszene mit, die gemeinsam mit der lebendigen Clubkultur für jede Menge Abwechslung im Alltag der Studierenden sorgt.

Leoben

Leoben ist die kleinste Universitätsstadt Österreichs, mit einer Spezialisierung, die im deutschsprachigen Raum einzigartig ist: Seit über 180 Jahren widmet sich die Montanuniversität der Lehre und Forschung rund um Bergbau, Hüttenwesen und Materialwissenschaften. Daraus ist auch eine ganz eigene Studierendenkultur entstanden, die alteingesessene Traditionen wie den berühmten Ledersprung umfasst: Angehende Montanist:innen springen über ein Lederfell und werden damit feierlich in die Gemeinschaft aufgenommen.

Klagenfurt

Studieren am Wörthersee, mit Blick auf die Karawanken und kulturellen Einflüssen aus Slowenien und Italien gleich um die Ecke: Klagenfurt ist eine internationale Uni-Stadt, in der sich ein für ihre Größe beachtliches Hochschulangebot finden lässt. Die Alpen-Adria-Universität als Hauptuni, die Fachhochschule Kärnten und die Gustav Mahler Privatuniversität für Musik decken dabei ein breites Spektrum an Fachrichtungen ab.

Lakeside Science & Technology Park der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt © Wikipedia
Lakeside Science & Technology Park der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt © Wikipedia

Schon gewusst? Österreich ist das Land der Bürokratie und der akademischen Titel. Nicht selten finden sich Mag., Dr. oder Dipl.-Ing. am Briefkasten oder auf der Visitenkarte, und es kommt durchaus vor, dass sich Akademiker:innen auch bei der ersten persönlichen Begegnung mit ihrem Titel vorstellen.

Sie wollen noch mehr über österreichische Eigenheiten und das Leben in der Alpennation erfahren? Auf unserem Blog finden Sie eine Vielzahl weiterer Beiträge zu Land, Leuten und Kultur. Lesen Sie etwa, welche Dialekte es in Österreich gibt, was unsere traditionelle Tracht so einzigartig macht oder welche Brauchtümer und Traditionen das Jahr prägen. Und wer die kulinarische Seite Österreichs näher kennenlernen möchte, findet bei uns einen Überblick über die besten regionalen Spezialitäten sowie eine Einführung in die Wiener Kaffeehauskultur und den Heurigen-Besuch. Viel Spaß beim Lesen!

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