Dass in Österreich gerne Wein und Bier getrunken werden und auch Melange, Einspänner & Co. einen ganz besonderen Stellenwert haben, ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Auf den heimischen Getränkekarten stehen aber noch viele weitere Klassiker, die man mit gutem Gewissen als typisch österreichisch bezeichnen kann: Von Almdudler und Skiwasser über den Spritzer bis hin zu Most und Sturm: Wir verraten, was hinter den klingenden Namen steckt!
Almdudler
Die Kräuterlimonade mit Melisse, Salbei, Enzian & Co. wurde vom Wiener Unternehmer Erwin Klein entwickelt und am 17. Oktober 1957 zum ersten Mal abgefüllt – an dem Tag, an dem er seine Ingrid heiratete. Seither hat der Almdudler mit dem urigen Trachtenpärchen auf dem Etikett seinen Stammplatz auf den österreichischen Getränkekarten und wird auch gern als Nationalgetränk Österreichs bezeichnet. Wie ernst man es in Österreich mit der Kräuterlimonade nimmt, zeigt übrigens ein legendärer Werbespruch: „Wenn die kan Almdudler hab’n, geh i wieder ham!“ Auf Hochdeutsch: „Wenn es hier keinen Almdudler gibt, gehe ich wieder nach Hause!“
Genossen wird er in der Regel pur sowie mit Soda oder Bier gemischt. Auch hinter dem Namen selbst steckt ein Stück Österreich: “Almdudler” geht nämlich auf die Redewendung “auf der Alm dudeln“ zurück – und ein “Dudler“ ist im österreichischen Dialekt ein Jodler.
Skiwasser
Wasser, Himbeersirup und ein Spritzer frischer Zitronensaft: Fertig ist das Skiwasser. Schon seit Generationen wird die rosarote Erfrischung auf Österreichs Skihütten zwischen den Abfahrten serviert – und auch beim Wandern im Sommer ist sie bei Jung und Alt eine beliebte Wahl. Und wer Glück hat, bekommt das Skiwasser sogar mit einem hausgemachten Sirup aus eigenen Garten- oder Waldhimbeeren.

Most
Most ist nicht gleich Most: Im niederösterreichischen Mostviertel und in Oberösterreich, wo vor allem Streuobst wächst, versteht man darunter nämlich vergorenen Saft aus Äpfeln und Birnen. Besonders stolz ist man hier auf den “Mostviertler Birnmost“, der sogar EU-weit als Herkunftsbezeichnung geschützt ist. Ausgeschenkt wird er traditionell in gemütlichen Mostheurigen, am besten zu einer kräftigen Jause mit Speck, Käse und frischem Bauernbrot. Und wie sehr die Menschen in der Region an ihrem Most hängen, zeigt sich auch an den zahlreichen Mostfesten, die zu den Bräuchen in Österreich gehören.
Ganz anders ist es in den Weinbaugebieten: Dort ist mit Most frisch gepresster Traubensaft gemeint, und der hat es eilig: Kaum ist er gepresst, beginnt er auch schon zu gären. Wer ihn als Saft genießen möchte, muss also schnell sein!
Sturm
Der Sturm ist ein junger, noch gärender Wein und der wohl beliebteste Herbstbote des Landes. Seinen Namen verdankt er dem “stürmischen” Gärprozess, bei dem es im Keller ordentlich schäumt und brodelt. Auch beim Trinken gelten eigene Regeln: Man sagt “Mahlzeit” statt Prost, stößt nicht mit den Gläsern an und hält das Glas in der linken Hand. Solange er nämlich noch gärt, gilt er als nicht fertiger Wein. Erst zu Martini am 11. November wird er feierlich “getauft” – und nach dem Zeitpunkt kann auch ganz normal mit ihm angestoßen werden. Viel Zeit zum Probieren bleibt dabei allerdings nicht: Laut Weingesetz darf das trübe, leicht prickelnde Getränk nur zwischen 1. August und 31. Dezember verkauft werden. Am besten schmeckt der saisonale Drink übrigens beim Heurigen oder in einer Buschenschank, idealerweise mit einer Portion gebratener Maroni dazu!

Spritzer
Ob im Schanigarten, beim Heurigen oder nach Feierabend am Balkon – kaum etwas ist so typisch österreichisch wie unser “Nationalcocktail” aus fruchtigem Weißwein und Soda- bzw. Mineralwasser. Das Mischverhältnis von 50:50 ist dabei sogar gesetzlich geregelt. Nur beim Sommerspritzer, dem etwas leichteren “Bruder”, kommt auf einen Teil Wein die dreifache Menge Wasser ins Glas. Ob dabei ein Gemischter Satz, ein Grüner Veltliner oder ein Welschriesling verwendet wird, ist von Region zu Region unterschiedlich. Einig ist man sich aber in einem Punkt: Der Wein muss frisch und sauber sein – denn die Kohlensäure des Sodawassers verstärkt jeden noch so kleinen Fehlton!
Radler
Nicht nur beim Wein wird in Österreich gerne gemischt: Auch die Mischung aus Bier und Limonade hat längst einen festen Platz in den österreichischen Getränkekarten erobert. Erfunden wurde der Radler allerdings in Deutschland: Der Legende nach ging einem Wirt um 1922 in einem Lokal bei München – bei großem Andrang von Radfahrer:innen – das Bier aus, also streckte er es kurzerhand mit Zitronenlimonade. Gemischt wird auch bis heute klassisch mit Zitronen- oder Orangenlimonade, beliebt sind aber auch Varianten mit Almdudler (“Almradler”), mit Mineralwasser (“saurer“ Radler) oder mit Cola (“Diesel“).

Soda Zitron
Prickelndes Mineralwasser mit einem guten Schuss Zitronensaft: Kaum zu glauben, dass es dieses simple Getränk nie so richtig über die Grenzen Österreichs geschafft hat. Hierzulande steht das “Sozi”, wie es gern liebevoll abgekürzt wird, dafür auf nahezu jeder Getränkekarte – und ist immer dann gefragt, wenn es spritzig und erfrischend sein soll.
Kracherl
Wenn ein Getränk nach Kindheit und Sommerferien schmeckt, dann ist es das Kracherl. So nennen Österreicher:innen eine süße Limonade mit Kohlensäure, die beim Öffnen der Flasche herrlich zischt und prickelt. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala steht das leuchtend rote Himbeerkracherl – aber auch die Varianten mit Zitrone und Orange haben ihre treuen Fangemeinden.
Jagatee
Heißer Schwarztee mit Rum sowie Orangen- und Zitronenaromen: Der Jagatee ist auf vielen Skihütten der Klassiker, wenn nach einem langen Skitag die Finger schon ganz durchgefroren sind. Dass er so eng mit Österreich verbunden ist, ist sogar amtlich: Die Bezeichnung “Jagatee“ ist EU-weit geschützt und darf nur für Produkte aus Österreich verwendet werden.

Flügerl
Auch Flügerl wandern beim Après-Ski gerne über die Theke: Dafür wird Wodka mit Zitrone und Energydrink (üblicherweise Red Bull) gemischt. Und der Name? Der geht auf den bekannten Werbeslogan von Red Bull zurück, denn dieses verleiht bekanntlich Flügel!
Schon gewusst? Red Bull ist selbst ein österreichisches Getränk: Der Energydrink kam 1987 auf den Markt, als Vorbild diente ein Getränk, das Firmengründer Dietrich Mateschitz in Thailand kennengelernt hatte.
Obstler
Ein Stamperl gehört nach einem deftigen Schweinsbraten, einem Teller Kasnocken oder anderen österreichischen Spezialitäten einfach dazu. Das bedeutet oft: Zeit für einen Obstler! Der klare Schnaps wird meist aus Äpfeln und Birnen gebrannt und soll dem Volksmund nach die “Verdauung in Schwung bringen“. Wer es sortenrein mag, greift zum Edelbrand, der aus nur einer einzigen Obstsorte gebrannt wird. Fast jede Region hat dabei ihren eigenen Favoriten: In der Wachau ist es die Marille, in Tirol und Salzburg die Vogelbeere, in der Steiermark die Hirschbirne und im Westen Kärntens der Bananenapfel, eine alte, regionale Apfelsorte.
Zirbenschnaps
Eine besondere Spezialität aus den österreichischen Alpen ist außerdem der Zirbenschnaps. Dafür werden keine Früchte verwendet, sondern junge Zirbenzapfen, die mehrere Wochen in Alkohol eingelegt werden. Sie verleihen dem Schnaps seine typisch rötliche Farbe und seinen würzigen, leicht harzigen Charakter. Ein Stamperl, das ein bisschen nach Wald schmeckt!

Wenn Sie also ein Skiwasser, einen Spritzer oder einen Obstler bestellen, haben Sie schon ein gutes Stück Österreich im Glas. Noch tiefer in die hiesige Lebensart können Sie auf unserem Blog eintauchen: Dort erfahren Sie zum Beispiel, warum man den Wiener Schmäh nicht immer wörtlich nehmen sollte, was es mit Krampus und Perchten auf sich hat und welche Hochzeitsbräuche in Österreich gang und gäbe sind. In diesem Sinne: Viel Spaß beim Schmökern!