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Österreichische Kultserien: von Mundl bis Braunschlag

Glatte Hochglanzwelten sucht man in österreichischen Serien vergeblich. Stattdessen spielen sie meist mitten im echten Leben: aus Gemeindebauten, Amtsstuben, Provinznestern oder Wiener Nobelbezirken. Viele Produktionen stellen dabei „Arbeiterfamilien“ oder „faule Beamte“ ins Zentrum und treiben ihre alltäglichen Konflikte, Kränkungen und Machtspielchen bis ins Groteske.

Im Gegensatz zu vielen US‑Formaten, die auf Spannung, Tempo und Spektakel setzen, arbeiten heimische Serien mit starkem Dialekt, rustikalem Auftreten, Schimpfwörtern und bewusst „fehlerhaftem“ Deutsch. Schwarzer Humor, genaue Milieubeobachtung und satirische Gesellschaftskritik verschmelzen zu einem erzählerischen Ton, der Humor mit einem leichten Unbehagen mischt. Hier die besten österreichischen Produktionen im Überblick.

Die besten österreichischen Komödien

Ob Gemeindebau, Nobelviertel, Provinz oder Amtsstube – die österreichische Serienkomödie nimmt sich alle Milieus vor. Dabei ist Gesellschaftskritik ein roter Faden: Korruption, Doppelmoral und menschliche Schwächen tauchen immer wieder auf, egal ob im Arbeiterviertel oder in der Chefetage. Satire mit einem Körnchen Wahrheit, wie man so schön sagt.

Ein echter Wiener geht nicht unter (1975 – 1979)

Ziemlich rau geht es bei „Ein echter Wiener geht nicht unter“ aus den 1970er Jahren zu. Die Serie zeigt eine typische Arbeiterfamilie in Wien-Favoriten und spielt mit dem Bild des grantigen Familienvaters Edmund „Mundl“ Sackbauer (Karl Merkatz). Der Patriarch verwendet grobe Beschimpfungen wie „Rauschkind“, „Pfostenkind“ oder „Nudelaug“ sowie häufige Drohungen, die seine unsensible, cholerische Art unterstreichen (z.B. „Du kriagst glei a Watschn, dass da vierzehn Tag da Schädel wackelt, du Gfraßt!“). Das Schreiduell als bevorzugte Kommunikationsform bei Nachbarschaftskonflikten und die verbale Grobheit lösten damals einen Skandal aus, weil der derbe Arbeiterdialekt und das Proleten-Milieu so direkt und ordinär gezeigt wurden.

Ein echter Wiener geht nicht unter / 1975 © ORF

Kaisermühlen Blues (1992 – 1997)

Die Serie „Kaisermühlen Blues“ beleuchtet das Leben einfacher Leute im Wiener Gemeindebau Schüttauhof, wo Themen wie Arbeiteralltag, Rassismus, Alkoholismus und Nachbarschaftsdramen satirisch zugespitzt werden. Aus dem farbigen Ensemble ragen Figuren wie die warmherzige Trafikantin Gitti Schimeck (Marianne Mendt), der bodenständige Kommissar Trautmann (Wolfgang Böck), der trickreiche Herr Täubler (Roland Düringer) – eine österreichische Kabarettisten -Legende – und die tratschige Frau Kaiser (Ellen Umlauf) mit ihrem Hund Wasti heraus; sie werden ergänzt durch die resoluten „Hausbesorger-Krätzen“ Turecek (Brigitte Neumeister) und Koziber (Brigitte Swoboda) sowie die ständig packelnden und korrupten Lokalpolitiker Kneisser (SPÖ, Otto Grünmandl) und Schoitl (ÖVP, Heinz Tichatsch).

Vorstadtweiber (2015 – 2022)

Die Serie „Vorstadtweiber“ hingegen rückt die gehobene „Bussi-Bussi-Gesellschaft“ der nobleren Wiener Bezirke ins Zentrum und gilt oft als österreichische Antwort auf „Desperate Housewives“ oder „Devious Maids“.  Im Mittelpunkt stehen konsumorientierte, intrigante Frauen und korrupte, karrierefixierte Männer aus der Wiener Oberschicht, deren luxuriöser Lebensstil – geprägt von Statussymbolen, Partys und gesellschaftlicher Scheinheiligkeit – die moralischen Abgründe dahinter kaum verbergen kann. Die Serie entlarvt ihre Doppelmoral, Oberflächlichkeit und den Zusammenhalt aus Gier, Macht, Sex und Geld, der ins Wanken gerät, sobald Beziehungen zerbrechen und Skandale an die Öffentlichkeit gelangen.

Sprachlich bedient sich die Serie eines gehobenen österreichischen Deutsch, das mit frechem, arrogantem und anmaßend wirkendem Wiener Dialekt durchsetzt ist.

Vorstadtweiber / 2015 © ORF

Braunschlag (2012)

In der Serie “Braunschlag” von David Schalko wird ein niederösterreichisches Dorf zur Bühne für Gier, politische Korruption und katholische Doppelmoral. Der Bürgermeister Gerhard Tschach (Robert Palfrader) inszeniert eine Marienerscheinung, um die Gemeinde wirtschaftlich zu retten. Bald gerät alles außer Kontrolle. Eine Satire über die Abgründe österreichischer Provinzmentalität.

Altes Geld (2015)

Ebenfalls von David Schalko stammt “Altes Geld”, eine bissige Serie über eine reiche Wiener Industriellenfamilie. Der todkranke Patriarch Jakob Sarator (Karl Markovics) verlangt von seinen Kindern eine Spenderleber – wer sie auftreibt, erbt das Vermögen. Der Kampf um Macht und Moral zeigt ein Österreich zwischen Schickeria und Zynismus, in dem Korruption, Doppelmoral und familiäre Kälte regieren.

Altes Geld / 2015 © ORF

Bösterreich (2016 - 2018)

Die Serie “Bösterreich” von Hosea Ratschiller und Peter Turrini verbindet politische Satire mit absurdem, österreichischem Humor. In kurzen Episoden werden aktuelle Themen – Bürokratie, Fremdenangst, Medienkultur – grotesk überzeichnet, oft mit Nicholas Ofczarek oder Robert Palfrader in vielseitigen Rollen. Das Ergebnis ist ein Spiegel gesellschaftlicher Neurosen, in dem das „Böse“ als typisch österreichische Normalität erscheint.“​

MA 24/12 (1998 – 2002)

Die Serie „MA 24/12“ parodiert das fiktionale Wiener Magistratsamt für Weihnachtsdekoration und überzeichnet bürokratische Absurditäten wie lange Wartezeiten, Parteien als Bittsteller und Amtsmissbrauch bis ins Extreme. Zentrale Figuren sind der spießige Ing. Breitfuß (Roland Düringer) und der prollige Herr Weber (Alfred Dorfer). Sie schikanieren Antragsteller, kassieren Schmiergeld und vergeuden ihre Dienstzeit mit dem Bauen von Modellautos oder dem Lesen von “Auto Revue” und “Playboy”. Die blonde Sekretärin Frau Knackal (Monica Weinzettl) telefoniert privat und hat ein Verhältnis mit ihrem Vorgesetzten, dem Senatsrat (Wolfgang Böck), der die Abteilung ursprünglich nur gegründet hat, um seine Affäre zu kaschieren. Die Figuren verkörpern so typisch österreichische Klischees von Amtsunfreundlichkeit, bürokratischer Unzuständigkeit und latentem Sexismus.

MA24/12 / 1998 © ORF

Weber & Breitfuß (2022–)

Das Spin-off “Weber & Breitfuß” führt die beiden Kultfiguren aus „MA 24/12“ in neuen Umgebungen weiter. Roland Düringer und Alfred Dorfer schlüpfen erneut in ihre Rollen – diesmal in Reha-Kliniken und politischen Settings. Die Stoßrichtung bleibt dieselbe: bürokratische Absurdität und österreichische Selbstgefälligkeit, mit frischem Anstrich.

Welche österreichischen Krimiserien gibt es?

Neben Satire und schwarzem Humor hat Österreich auch eine lange Tradition actionbetonter Polizeiserien. Ob Wiener Unterwelt oder ländliche Idylle mit doppeltem Boden – die folgenden Produktionen zeigen, wie sich hinter Alpenkulisse und Donauromantik verlässlich ein Verbrechen verbirgt.

Trautmann (2000 – 2010)

Die Wiener Krimireihe dreht sich um Bezirksinspektor Richard Trautmann (Wolfgang Böck), der nach einer Trennung in den 2. Bezirk (Leopoldstadt) versetzt wird und dort mit Burschi Dolezal (Simon Schwarz) sowie Monika Tränkler (Monica Weinzettl) Mordfälle in der Halb- und Unterwelt löst. Die Serie beleuchtet schmierige Wiener Kreise voll Bandenkriegen, Prostitution und Korruption, oft mit ironischem Unterton.

Kommissar Rex (1994 – 2004, österr. Phase)

Die Kultserie folgt Wiener Kommissaren wie Richard Moser (Toby Walker), Max Koch (Gabriel Barylli) oder Marc Hoffmann (Gedeon Burkhard) und ihrem treuen Polizeihund Rex, der entscheidend bei der Aufklärung von Morden, Erpressungen und Bandenverbrechen unterstützt. Die auch für jüngeres Publikum geeignete Serie verbindet Spannung mit Humor in urbanen Wiener Settings wie Nachtclubs oder Häfen.

Komissar Rex / 1994 © ORF

Stockinger (1996 – 1998)

Im Kommissar Rex-Spin-off folgt Polizist Ernst Stockinger (Nikolaus Waldschmidt) seiner Frau Karin (Franziska Weisz) ins Salzkammergut, wo sie die Zahnarztpraxis ihres Vaters übernimmt. Dort ermittelt er in ländlichen Fällen wie Mafia-Morden oder Fremdenfeindlichkeit und kontrastiert Naturidylle mit düsterer Kriminalität.

Soko Donau (2005–)

Die Wiener SOKO klärt Fälle entlang der Donau auf – von Undercover-Einsätzen im Hafen bis zu Schmuggelringen und Morden. Bereits in der zwanzigsten Staffel angelangt, sorgt die Serie mit wechselnden Charakteren für frischen Wind. Als eine der wenigen Konstanten ist Bezirksinspektorin Penny Lanz (Lilian Klebow) nach wie vor mit dabei, während das aktuelle Team von Oberst Henriette Wolf (Brigitte Kren) angeführt wird. Häufige Themen sind Korruption, Identitätsbetrug und grenzüberschreitende Verbrechen.

Soko Donau / 2026 © ORF

Soko Kitzbühel (2003–)

Im glamourösen Tiroler Skigebiet ermitteln Kommissarin Janni Harnisch (Daniela Zigli), Psychologe Lukas Roither (Robert Ritter) und ihr Team Mordfälle in der Welt der Reichen und Schönen. Die Serie nutzt die alpine Kulisse für Kriminalfälle, die psychologische Tiefe mit Elementen lokaler Folklore verbinden.

„Der Pass“ (2018 - 2022)

In der Thrillerserie “Der Pass” stoßen die österreichische Kommissarin Ellie Stocker (Julia Jentsch) und ihr deutscher Kollege an der Grenze auf eine Serie grausamer Morde. Hinter der Krimi-Handlung entfaltet sich ein Psychodrama über Schuld, Macht und nationale Mythen. Der Kontrast zwischen Alpenidylle und Gewalt enthüllt ein Bild zwischen Ordnung und Abgrund.

Ob unbeschwerte Komödie oder düsterer Krimi, eines haben all diese Serien gemeinsam: Sie beweisen eindrucksvoll, wie Selbstironie, Dialektwitz und präzise Milieukritik zum Markenzeichen avancieren. Die vorgestellten Produktionen machen Figuren wie den grantigen Arbeiterpapa, den faulen Beamten oder den korrupten Provinzpolitiker zum Spiegel unserer eigenen Widersprüche und Alltagsneurosen.

Übrigens: Noch mehr Wissenswertes zu Land, Leuten und Kultur in Österreich finden Sie auf unserem Blog. Entdecken Sie die Welt der österreichischen Autor:innen, deren Werke so manche Filmvorlage lieferten, oder begeben Sie sich auf eine kulinarische Reise durch die österreichische Küche – am besten mit einem Abstecher zum Heurigen. Und wenn Sie wissen wollen, wie Österreich abseits der Leinwand feiert, werfen Sie einen Blick auf unsere Beiträge zu Brauchtum und Tradition oder zur glamourösen Wiener Ballsaison. Viel Spaß beim Schmökern!

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