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Die 10 besten Kabarettist:innen Österreichs

Kaum ein Land nimmt sich selbst so gerne auf die Schaufel wie Österreich. Der Grant ist hierzulande Volkssport, die Selbstironie fest im Alltag verankert. In diesem schmähfreudigen Klima ist eine legendäre Kabarettszene gewachsen – mit Programmen, die jahrelang laufen, Filmen und TV-Serien mit Kultstatus und Pointen, die längst zum alltäglichen Sprachgebrauch gehören. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Namen vor. Vorhang auf!

Alex Kristan

Niki Lauda, Herbert Prohaska, Arnold Schwarzenegger: Es gibt kaum eine prominente österreichische Stimme, die Alex Kristan nicht täuschend echt beherrscht. Zu seinen Parodien kam der gebürtige Mödlinger über Umwege – als Formel-1-Reporter lernte er Größen wie Lauda zunächst im echten Leben kennen, bevor er 2003 ins Comedyfach wechselte. Mit seinem ersten Soloprogramm „Jetlag für Anfänger“ (2012) begann eine Erfolgsserie, die bis heute anhält: Seine Programme laufen regelmäßig im ORF, auf der Bühne füllt er die größten Säle des Landes – auch die Wiener Staatsoper.

Lisa Eckhart

Platinblonde Frisur, ausladende Roben und ein Hochdeutsch wie aus einem anderen Jahrhundert: Kaum jemand fällt auf Österreichs Kabarettbühnen so auf wie Lisa Eckhart. Und ihre präzise-verschachtelten, altmodischen Sätze sucht man im Rest des Genres vergeblich. Die gebürtige Steirerin startete ihre Karriere im Poetry Slam, ehe sie mit ihrer kunstvoll überzeichneten Bühnenfigur – einer arroganten Diva, die genüsslich mit allen guten Sitten bricht – zum Star der Szene wurde. Ihre Programme sorgen dabei regelmäßig für Debatten, auch darüber, wo die Grenzen der Satire liegen.

Lisa Eckhart © Moritz Schell

Thomas Stipsits

Sein Gesicht kennt in Österreich praktisch jeder: Thomas Stipsits stand bereits im Alter von 18 Jahren mit seinem ersten Soloprogramm auf der Bühne, zum Publikumsliebling wurde er dann an der Seite von Manuel Rubey mit Duo-Programmen wie „Triest“. Parallel war er auch regelmäßig vor der Kamera zu sehen, etwa im Wiener „Tatort“ und in Kinokomödien wie „Love Machine“ sowie unzähligen weiteren Produktionen. Seinen größten Coup landete er allerdings als Autor: Die Stinatz-Krimis rund um sein burgenländisches Heimatdorf eroberten nicht nur die Bestsellerlisten, sondern wurden auch schon fürs Fernsehen verfilmt.

Klaus Eckel

2001 kündigte ein unzufriedener Wiener Logistiker seinen Bürojob – zum Glück für das österreichische Publikum: Schon mit seinem augenzwinkernd betitelten Demo-Programm „Umschulung zum Kabarettisten“ räumte Klaus Eckel bei den ersten Kleinkunstwettbewerben ab. Seither hat er mehr als zehn Soloprogramme geschrieben, darunter „Wer langsam spricht, dem glaubt man nicht“ (2023). Und weil ihm der Schreibstoff dabei nie auszugehen scheint, verfasste er nebenbei auch mehrere Bücher, Kolumnen und ein Drehbuch.

Michael Niavarani

Keine Aufzählung österreichischer Comedy-Größen wäre komplett ohne ihn: Michael Niavarani zählt seit Jahrzehnten zu den beliebtesten und erfolgreichsten Kabarettisten  des Landes. Statt politischer Spitzen setzt er auf das Erzählen selbst, immer ausschweifend, anekdotisch und herrlich selbstironisch. Über zwei Jahrzehnte leitete er das traditionsreiche Kabarett Simpl, die älteste Kleinkunstbühne Wiens, und gründete später mit dem Globe Wien sogar sein eigenes Theater: Dort spielt er mit seinen Shakespeare-Bearbeitungen wie „Die unglaubliche Tragödie von Richard III.“ seit Jahren vor ausverkauftem Haus.

Viktor Gernot und Michael Niavarani © Manfred Werner

Viktor Gernot

Viktor Gernot hat die Show im Blut. Der ausgebildete Sänger stand bereits in großen Theaterproduktionen wie „Elisabeth“ auf der Bühne, ehe er 1994 zur Kultgruppe „Die Hektiker” stieß und mit der preisgekrönten Comedyserie „Die kranken Schwestern“ TV-Bekanntheit erlangte – bis heute ist er dem Fernsehpublikum als Stammgast im Rateteam von „Was gibt es Neues?“ erhalten geblieben. Doch auch seinem musikalischen Hintergrund bleibt er stets treu, sowohl auf der Kabarettbühne als auch mit seiner Band „Viktor Gernot & His Best Friends“.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Kabarett und Comedy? Kabarett ist die politisch-gesellschaftskritische Form der Bühnenunterhaltung: Es will nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen. Comedy hingegen setzt ganz auf die Pointe und den Spaß am Lachen. In Österreich nimmt man diese Trennung allerdings nicht so genau – am Ende nennt man fast alles liebevoll Kabarett.

Roland Düringer

Vom Publikumsliebling zum konsumkritischen Aussteiger: Roland Düringers Laufbahn hat mehr Wendungen genommen, als so manches seiner Programme. Berühmt wurde er in den 1990ern mit Kult-Shows wie „Benzinbrüder“, in denen er den autovernarrten Wiener Stammtischler spielte. Den größten Erfolg feierte er allerdings 1998 mit „Hinterholz 8″: Die Komödie über den Albtraum vom Eigenheim zählt bis heute zu den erfolgreichsten österreichischen Kinofilmen. Umso überraschender kam sein Kurswechsel in den 2010er-Jahren: Düringer verzichtete zeitweise auf Auto, Handy und Fernseher – und statt Pointen über PS und Alltag sind seither Konsum, Technik und die Frage nach dem richtigen Leben das Herzstück seiner Auftritte.

Josef Hader

Kaum ein anderer Kabarettist spielt vor so großem Publikum und bleibt dabei doch mehr Künstler als Entertainer: Statt klassischer Pointen bricht der gebürtige Oberösterreicher gerne die Regeln des Genres selbst und setzt stattdessen auf Abgründiges, Böses und Melancholisches. Genau damit gelang ihm auch sein größter Erfolg. Sein gnadenlos zynisches Programm „Privat“ (1994) hielt sich über ein Jahrzehnt auf den Spielplänen und zählt zu den erfolgreichsten Kabarettproduktionen des Landes. Daneben hinterließ er auch im Kino seine Spuren. Gemeinsam mit Alfred Dorfer schrieb und spielte er den österreichischen Kultfilm „Indien“ (1993), in den Wolf-Haas-Verfilmungen wie „Komm, süßer Tod“ war er als grantelnder Ermittler Brenner zu sehen und mit „Andrea lässt sich scheiden“ (2024) stand er sogar selbst als Regisseur hinter der Kamera.

Josef Hader © Manfred Werner

Gernot Kulis

Seit den späten 1990er-Jahren bringt Gernot Kulis Österreichs Radiohörer:innen zum Lachen. Zuerst trieb er als „Nervensäge am Rohr“ bei der Antenne Steiermark sein Unwesen, ehe er 1999 zu Ö3 wechselte und dort mit seinen Scherzanrufen als Ö3 Callboy zwei Jahrzehnte lang Prominente, Ämter und ahnungslose Privatpersonen hereinlegte. Im Radio lief allerdings nicht nur seine Comedy, sondern auch seine Musik: Mit „Was is‘ mit du?“ landete er die meistverkaufte österreichische Single 2002. Und diese Bekanntheit nahm er schließlich mit auf die Bühne, wo er seit seinem ersten Soloprogramm „Kulisionen“ mit unbändiger Energie und rasanten Pointen für volle Säle sorgt.

Lukas Resetarits

Politisch, gesellschaftskritisch und unverkennbar wienerisch: Lukas Resetarits gilt als einer der Wegbereiter des modernen österreichischen Kabaretts. Seit seinem ersten Soloprogramm „Rechts Mitte Links“ (1977) stand er mit rund 30 verschiedenen Produktionen beinahe ununterbrochen auf den Kleinkunstbühnen des Landes. Einem breiten Publikum wurde er außerdem als Titelheld der Kultserie „Kottan ermittelt“ bekannt, die den österreichischen Humor wie kaum eine andere Produktion prägte.

Noch mehr Namen, die man kennen sollte: Poier, Dorfer & Co.

Die österreichische Kabarettszene hat freilich noch viel mehr zu bieten: Etwa Alf Poier mit seinem herrlich absurden Dada-Humor, den er sogar schon beim Eurovision Song Contest zum Besten gab, oder Alfred Dorfer, der mit Kultproduktionen wie „MA 2412″ Fernsehgeschichte schrieb und bis heute als politischer Solokabarettist tourt. Dasselbe gilt für Andrea Händler, die schon zu den größten Namen der Szene zählte, als Frauen auf den Kabarettbühnen noch die Ausnahme waren. Und auch die nächste Generation kann sich sehen lassen: Christoph Fritz etwa, der stoische Good Boy mit tiefschwarzem Humor, oder Benedikt Mitmannsgruber, der sein bestes Material aus kleinen Alltagsniederlagen und dem Dorfleben bezieht. Doch selbst damit ist die Liste noch lange nicht vollständig – alle Talente des Landes aufzuzählen, ist schlicht ein Ding der Unmöglichkeit.

Egal ob Vergangenheit oder Gegenwart, große Unterhalter:innen haben in Österreich Tradition: von berühmten österreichischen Schriftsteller:innen bis hin zu Komponist:innen wie Bruckner, Mozart oder Brahms. Auf unserem Blog erfahren Sie auch jede Menge über das Leben und die Bräuche in Österreich – vom närrischen Fasching über die schaurigen Perchtenläufe bis zur glanzvollen Wiener Ballsaison. Und wer Österreich von seiner gemütlicheren Seite kennenlernen möchte, begleiten wir auf eine Melange im Wiener Kaffeehaus oder ein Achterl beim Heurigen. Viel Spaß beim Lesen!

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