Wenn der geschichtsträchtigste Gesangswettbewerb Europas über die Bühne geht, ist bunte Unterhaltung vorprogrammiert. Seit den 1950er Jahren treten Jahr für Jahr die besten Musik-Acts aus den Eurovision-Mitgliedsstaaten gegeneinander an, um die Stimmen von Jury und Publikum für sich zu gewinnen. Ob Operngesang, Ausdruckstanz oder musikalische Darbietungen mit Augenzwinkern: die beeindruckenden Bühnenshows machen das Groß-Event zum Highlight im (österreichischen) Fernsehprogramm. Wir verraten Ihnen, was den Song Contest so besonders macht – und warum er auch ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung kein bisschen an Popularität eingebüßt hat.
Wie ist der Eurovision Song Contest entstanden?
Der Eurovision Song Contest, kurz ESC genannt, wurde zum ersten Mal 1956 in Lugano in der Schweiz ausgetragen – damals noch unter dem klingenden Namen “Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne“. Die Grundidee war allerdings nicht, aufstrebenden Stars und Sternchen eine Bühne zu bieten, sondern eine länderübergreifende Kooperation zwischen verschiedenen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu fördern. Im Zuge dessen schlossen sich die sieben Länder Deutschland, Frankreich, Schweiz, Italien, Luxemburg, Belgien und die Niederlande zur EBU (European Broadcasting Union) zusammen, um gemeinsam den ersten Kompositionswettbewerb nach Vorbild des renommierten San Remo Festivals auszurichten. Gesungen wurde ursprünglich auf Französisch, jedes Land durfte außerdem mit jeweils zwei Liedern antreten. Der erste Sieg ging an die Gastgeber: Lys Assia konnte die Jury mit ihrem Lied “Refrain” überzeugen.
Seitdem ist die EBU offiziell auf stolze 57 Länder angewachsen – sogar Australien wurde 2015 durch eine Ausnahmeregelung in die Union aufgenommen. Auch ist Französisch längst nicht mehr die “Amtssprache”: Um ein nationenübergreifendes, einheitliches Branding sicherzustellen, wurde der Name des Musikwettbewerbs auf “Eurovision Song Contest” abgeändert.

Wie funktioniert der Eurovision Song Contest?
In den letzten Jahrzehnten hat sich einiges getan: Die Bedingungen bzw. Anforderungen für die Teilnahme wurden laufend angepasst, Qualifikationsrunden wurden eingeführt und auch bei der Bewertung der Beiträge sowie den Abstimmungsmöglichkeiten für Zuseher:innen kam es regelmäßig zu Änderungen. Nichtsdestotrotz folgt die Veranstaltung seit dem zweiten Bewerb 1957 in Frankfurt dem gleichen Format:
Pro Land performt jeweils ein Act auf der großen ESC-Bühne, es folgt eine kurze Pause mit Showeinlage und anschließender Punktevergabe.
Zuschauer:innen aus jedem Land können per Telefon und SMS sowie über die offizielle Eurovision-App für ihren Lieblingsbeitrag abstimmen. Alle Stimmen werden zusammengezählt, um die Top-10 Acts zu ermitteln, und anschließend mit der Jurywertung kombiniert – daraus ergibt sich der Sieger oder die Siegerin. Seit 2004 sind die TV-Sender verpflichtet, das Ergebnis ihres Landes über Televoting zu ermitteln.
Schon gewusst? Auch die Tradition, dass die Fernsehsender des jeweiligen Siegerlands den nächsten Contest ausrichten, hat sich in Frankfurt etabliert. Die einzigen Ausnahmen waren der ESC 1960, 1963, 1972, 1974 und 1980.
Qualifikation & Halbfinale
Um sicherzustellen, dass die Länder, die die höchsten Mitgliedsbeiträge zahlen, nicht auf eine Teilnahme im großen Finale verzichten müssen, sind die sogenannten “Big Five” Deutschland, Frankreich, Italien, Vereinigtes Königreich und Spanien bereits immer fix vorqualifiziert. Die übrigen Finalisten werden seit 2008 in zwei separaten Halbfinals ermittelt, um möglichst vielen Ländern die Chance zu geben, am ESC teilzunehmen. Welche Acts konkret antreten, können die Länder eigenständig entscheiden – oft werden die Vertreter:innen auch mittels aufwendiger Casting-Shows und Publikumsvoting ausgewählt.
Wie oft hat Österreich den ESC gewonnen?
Wie die Schweiz, Ukraine, Italien, Dänemark und Norwegen kann auch Österreich stolze drei Siege beim ESC vorweisen:
- 2025: JJ mit “Wasted Love”
- 2014: Conchita Wurst mit “Rise like a Phoenix”
- 1966: Udo Jürgens mit “Merci Chérie”
Trotz der Erfolge hält die Alpennation gemeinsam mit Norwegen und Schweiz übrigens auch den bisherigen Negativrekord mit jeweils vier Mal null Punkten. Das allererste Land, das sich punktelos aus dem Wettbwerb verabschieden musste, war allerdings Belgien im Jahr 1962. Außerdem ist es bisher nur Deutschland (1964, 1965) und den Niederlanden (1962, 1963) gelungen, in zwei direkt aufeinanderfolgenden Bewerben “Nul points” zu erzielen.
Die erfolgreichsten Länder? Irland und Schweden mit jeweils sieben Siegen, dahinter folgen die Niederlande, Luxemburg und UK mit jeweils fünf Gewinneracts. Den dritten Platz im Nationen-Ranking teilen sich Frankreich und Israel mit je vier Triumphen.
Aber auch jenseits von eindrucksvollen Siegesserien und traurigen Negativrekorden finden sich in der Geschichte des ESC jede Menge spannende Meilensteine und Fun Facts – perfekt, um beim nächsten Fernsehabend mit echtem Expert:innenwissen zu glänzen!

ESC-Fun Facts: Wissenswertes rund um den ältesten Gesangswettbewerb der Welt
- Zahlreiche berühmte Musiker:innen schafften den ultimativen Durchbruch erst dank ihrer Teilnahme am ESC: Neben Céline Dion, die 1988 den Sieg für die Schweiz holte, und ABBA, die den Song Contest 1974 in Brighton für sich entscheiden konnten, legten auch Bonnie Tyler und Olivia Newton-John dort den Grundstein für ihre erfolgreichen Gesangskarrieren.
- Beim “Ur”-ESC in Lugano1956 durften ausschließlich Solist:innen an den Start gehen. Erst im Folgejahr wurden zum ersten Mal Duos zugelassen, Gruppen dürfen überhaupt erst seit 1971 antreten – und maximal aus sechs Mitgliedern bestehen.
- Die meisten Punkte in der Geschichte des Song Contest holte Salvador Sobral 2017 für Portugal – mit einem beeindruckenden Gesamt-Score von 785 Punkten
- Die jüngste Siegerin ist Sandra Kim: Mit nur 13 Jahren sicherte sie sich 1986 den Sieg für Belgien. Seitdem wurde das Mindestalter für teilnehmende Musiker:innen auf 16 angehoben.
- Der unangefochtene „King of Eurovision“ ist der Ire Johnny Logan: Als einziger Künstler in der Geschichte des Wettbewerbs war er direkt an drei Siegen beteiligt – zweimal als Sänger (1980, 1987) und einmal als Komponist (1992).
- Kein anderes Land hat den ESC übrigens öfter ausgetragen als das Vereinigte Königreich: Seit der Gründung fanden dort insgesamt 9 Bewerbe statt, obwohl die Nation selbst bisher “nur” fünf Siege erringen konnte.

Egal, in welchem Land der Song Contest das nächste Mal ausgetragen wird: Man kann sicher sein, dass mit jedem Event ein neues Stück Geschichte geschrieben wird. Apropos Geschichte – jede Menge Lesestoff rund um österreichische Bräuche und Traditionen, Kultur und Kulinarik finden sie ebenfalls auf unserem Blog. Zum Beispiel unseren Guide zur österreichischen Küche, spannende Fakten zum österreichischen Dialekt und alles, was Sie über die glanzvolle Wiener Ballsaison wissen müssen. Viel Spaß beim Lesen!