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Poltern, Brautstehlen & Co.: Typische Hochzeitsbräuche in Österreich

Ob kirchliche Trauung im Kreis der Familie, ein Tête-a-tête am Standesamt oder Traumhochzeit im Urlaubsparadies: Wie geheiratet wird, bestimmt einzig und allein das Brautpaar. Doch auch, wenn die “klassische” Hochzeit  über die Jahrzehnte hinweg etwas außer Mode gekommen sein mag, sind viele alte österreichische Traditionen rund um den großen Tag bis heute ein fixer Bestandteil der Feierlichkeiten. Hier ein Überblick über die beliebtesten.

Vor der Hochzeit: Der Polterabend

Wie in vielen anderen Ländern ist es auch in Österreich üblich, dass das Brautpaar die  letzten Tage des Ledigseins noch einmal so richtig zelebriert – und zwar getrennt. Früher wurde der Polterabend für gewöhnlich am Tag vor der Hochzeit begangen, heute findet dieser teilweise schon mehrere Wochen oder sogar Monate vorher statt.

Organisiert werden die Feierlichkeiten vom jeweiligen Trauzeugen bzw. der Trauzeugin, die das Event ganz nach ihren eigenen Ideen und Vorstellungen gestalten. Und da lautet die Devise ganz klar: Erlaubt ist, was Spaß macht. Ein klassischer “Polterer” ist also längst nicht mehr nur ein feucht-fröhliches Gelage vor dem Gang zum Altar, sondern kann alles von sportlichen Aktivitäten über einen Wochenendausflug bis hin zu einem Kurzurlaub im Ausland umfassen. Darüber hinaus hat sich auch der Brauch etabliert, Braut oder Bräutigam während der Feierlichkeiten mit verschiedenen Aufgaben zu “quälen”. Das kann das Tragen eines Kostüms sein, das Verkaufen von kleinen Schnapsflaschen, Süßigkeiten und anderen Kleinigkeiten, oder eine To-Do-Liste, die im Laufe des Tages (oder Abends) abgearbeitet werden muss.

Was ist der Unterschied zwischen Polterabend und Junggesellenabschied?

Obwohl die Begrifflichkeiten Polterabend und Junggesellenabschied im österreichischen Dialekt gern synonym verwendet werden, handelt es sich historisch betrachtet um zwei verschiedene Bräuche: Der Polterabend beschreibt traditionell das Zusammenkommen von Freund:innen und Familie direkt vor dem  Hochzeitstag, um gemeinsam zu feiern. Dabei wird eifrig Geschirr mit lautem Scheppern zerschlagen: Ein Ritual, das durch den Lärm Dämonen vertreiben und dem Brautpaar Glück für die Zukunft bescheren solle. Das Zerschlagen von Geschirr ist übrigens auch heute noch im Burgenland und Kärnten ein Brauch, nach der Hochzeit Schüsseln und Teller zu werfen – je mehr Scherben, desto mehr Kinder soll das Brautpaar angeblich bekommen.

Das heute in Österreich geläufige Poltern beschreibt hingegen genau das, was der ursprüngliche Junggesellenabschied war (bzw. heute zum Teil noch ist): Damals musste der Bräutigam seinen Freunden Wein spendieren, um sich aus der Gruppe freizukaufen – und den kollektiven Schmerz über sein Ausscheiden in flüssiger Form zu lindern. Außerdem wurde getrunken, gescherzt und geblödelt, meist auch mit musikalischer Untermalung.

Polterabend

Der Hochzeitstag: Von Brautwecken bis Kranzerltanz

Am großen Tag ist einiges los: Neben international bekannten Traditionen wie dem Brautstraußwerfen, Anschneiden der Hochzeitstorte oder dem ersten gemeinsamen Tanz gibt es in allen Ecken und Enden des Landes Bräuche, die einfach typisch österreichisch sind. Übrigens: Insbesondere in ländlichen Regionen werden das klassische weiße Brautkleid und die Abendgarderobe der Gäste auch heute noch gerne durch österreichische Tracht ersetzt.

Brautwecken / Hochzeitsschießen

Der große Tag beginnt traditionell früh – auf jeden Fall zumindest für die Braut, sofern die Tradition der getrennten Nacht eingehalten wurde. Vor allem in Kärnten und der Steiermark ist es üblich, die angehenden Eheleute um 4:00 oder 5:00 Uhr mit Böllern, Gewehrsalven oder (Blas)musik aus dem Schlaf zu reißen. Anschließend wird ausgiebig gefrühstückt, und zwar mit Klassikern der österreichischen Küche. Meist serviert man eine klassische Hochzeitssuppe, eine klare Rindsuppe mit Frittaten oder Backerbsen als Einlage. In Kärnten geht es mit der Gulaschsuppe einen Hauch deftiger zu, das Ziel ist in beiden Fällen das gleiche: Eine gute Grundlage zu schaffen, um bis zum nächsten Essen auszuhalten.

Die falsche Braut

Ein weiterer beliebter Brauch, der bis heute Tradition hat, ist die sogenannte “falsche Braut”. Wenn der Bräutigam seine Herzensdame in der Früh bei ihren Eltern abholen will, wird versucht, ihm eine Andere unterzujubeln. Oft sind es Freundinnen der Braut oder Familienmitglieder, die sich der Rolle annehmen und versuchen, den Bräutigam von ihren Qualitäten zu überzeugen. Naturgemäß erfolglos!

Brautbüscherl

Neben Blumenschmuck werden den Hochzeitsgästen vor Beginn der Feierlichkeiten oft kleine Anstecker überreicht, die auf der linken Brust angepinnt werden. Manchmal ist es eine einzelne Blüte, manchmal ein kleines Sträußchen, in manchen Gegenden Österreichs vielleicht sogar ein einfacher Rosmarinzweig.

Spalier stehen

Beim Auszug des Brautpaars nach der Trauung stellen sich alle geladenen Gäste links und rechts des Ausgangs auf, um ein Hochzeitsspalier zu bilden. Wie auch in anderen Breitengraden üblich, wird das frisch getraute Paar dabei sehr gern mit Reis und Blütenblättern beworfen, um eine glückliche Zukunft zu wünschen. Traditionell war ein wesentlicher Teil des Spaliers aber, die Brautleute am Durchmarsch zu hindern – quasi die symbolische Überwindung von Hindernissen. Gleichzeitig sollen die beiden Reihen aber auch zeigen, dass Freund:innen und Familie immer an der Seite des Paares stehen.

Eine quasi umgekehrte Variante des Brauchs ist übrigens das sogenannte “Sperren” oder “Absperren” bzw. die “Maut” (Kärnten): Hierbei wird den Brautleuten der Weg zu Kirche oder Standesamt von Freunden und Familie mit einem geschmückten Seil versperrt, das sie nur durch das Lösen von kleinen Aufgaben, die Fähigkeiten und Einsatzbereitschaft testen sollen, überwinden können. Erst dann darf laut Tradition geheiratet werden.

Spalier stehen & Blüten werfen

Holzstamm sägen

Als erste Herausforderung, die das frisch vermählte Paar überwinden muss, gilt oft das Holzstammsägen. Dabei müssen Braut und Bräutigam mit einer Zugsäge einen Baumstamm zersägen, eifrig angefeuert von den Gästen. Frei nach dem Motto: Nur gemeinsam kommt man ans Ziel. Genau deshalb muss es auch nicht gleich ein Baumstamm sein, denn den Brauch gibt es mittlerweile in den unterschiedlichsten Ausführungen, um das Brautpaar auf die Probe zu stellen.

Die Hochzeitskarawane

Jede:r Österreicher:in weiß, dass lautes, konstantes Gehupe im Straßenverkehr nur eines heißen kann: Hochzeit! Traditionell geht es nämlich im Konvoi von der Kirche bzw. vom Standesamt zur Feier, angeführt vom blumengeschmückten Brautauto. Der Rest der geladenen Gäste fährt mit bunten Bändern an den Außenspiegeln und laut hupend hinterher.

Brautstehlen

Passt der Ehegatte nicht auf seine Angetraute auf, kann es schon mal passieren, dass sie ihm abhanden kommt: Beim Brautstehlen entführen Freund:innen und Verwandte des Bräutigams klamm und heimlich die Braut, üblicherweise in ein Wirtshaus in der Nähe. Dort wird so lange angestoßen und getrunken, bis der einsame Bräutigam (gemeinsam mit den weiblichen Hochzeitsgästen) sie wieder findet. Das tut er im Idealfall noch vor Mitternacht, damit er sein Recht auf die erste Hochzeitsnacht nicht verliert. Die Auslöse erfolgt normalerweise durch das Begleichen der Zeche – außer, der Brautstrauß wurde von den Entführer:innen vergessen, dann kann der Bräutigam diesen einfach gegen die Braut tauschen.

Kranzerltanz

Der Kranzerltanz ist nicht nur der ideale Anlass, um Jung und Alt auf die Tanzfläche zu bringen, sondern dient auch dazu, die Hochzeitskasse aufzubessern. Brautpaar bieten sich dabei gegen einen kleinen Betrag als Tanzpartner:in für die Gäste an – wer am tiefsten in die Tasche greift, darf am Ende das Brautkranzerl mit nachhause nehmen.

Mandeln als Geschenk

Als Gastgeschenk werden in Österreich traditionell süße gebackene Mandeln überreicht. Meist sind es fünf Stück, die liebevoll in Tüllsäckchen verpackt sind und jeweils für fünf unterschiedliche Dinge stehen, die man den seinen Liebsten wünscht: Glück, Liebe, Erfolg, Gesundheit und Fruchtbarkeit

Gastgeschenk

Nach der Hochzeit: Die Morgengabe

Die einen genießen einen ruhigen Tag im gemeinsamen Zuhause, die anderen fliegen in die Flitterwochen und die nächsten räumen mit müden Trauzeug:innen die Überreste der gestrigen Feier auf: Egal, wie unterschiedlich der Tag nach der Hochzeit auch begangen wird, bis heute halten viele Paare an der traditionellen Morgengabe fest. In der Früh, gleich nach dem Aufwachen, überreichen sie einander kleine Geschenke als Zeichen ihrer gegenseitigen Wertschätzung – meist ein kleines Schmuckstück. Mittlerweile ist es auch keine Seltenheit mehr, die Morgengabe schon vor der Hochzeit auszutauschen, damit das neue Stück direkt am großen Tag ausgeführt werden kann.

Ob Großevent oder Trauung im kleinen Kreis, die zahlreichen Traditionen machen österreichische Hochzeiten zu einem ganz besonderen Erlebnis – und zeigen, dass viele alte Bräuche auch heute noch absolut zeitgemäß sind. Apropos Tradition: Noch mehr Lesestoff gibt es auf unserem Blog zu entdecken. Zum Beispiel unseren Guide zur Wiener Ballsaison, Wissenswertes rund um Fasching und Krampus oder die bekanntesten Osterbräuche in Österreich im Überblick. Viel Spaß beim Lesen!

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