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Fasching in Österreich: So feiert die Alpenrepublik

Konfetti, Krapfen, Kostüme: Im Februar zeigt sich Österreich mit dem Fasching von seiner ausgelassensten Seite. Für viele gilt er als die fünfte Jahreszeit – eine farbenfrohe Pause im Winter, wo Alt und Jung maskiert, verkleidet und unbeschwert mit Leidenschaft das Leben zelebrieren. Doch woher kommt dieser Brauch eigentlich, und warum feiern wir ihn noch immer mit so viel Begeisterung? Wir verraten Ihnen alles, was Sie rund um die österreichische Tradition wissen müssen.

Wann beginnt und endet der Fasching?

Wer den Fasching feiern möchte, wirft am besten rechtzeitig einen Blick in den Kalender – denn die fünfte Jahreszeit folgt einem ganz eigenen Rhythmus, der sich Jahr für Jahr verschiebt. Offiziell „aufgeweckt“ werden die Narren bereits am 11. November um 11:11 Uhr. Doch so richtig gefeiert wird dann noch nicht: Erst nach den Weihnachtsfeiertagen, genauer gesagt am 7. Jänner, dem Tag nach Dreikönig, beginnen die Feierlichkeiten so richtig. Am Faschingsdienstag erreicht die Narrenzeit dann ihren Höhepunkt und krönenden Abschluss: Überall im Land ziehen festliche Umzüge durch die Straßen, es wird getanzt, gelacht und gefeiert.

Wie lange der Fasching genau dauert, hängt dabei vom Mond ab. Genauer gesagt: vom Ostersonntag, der frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April fallen kann. Der letzte Faschingstag – Aschermittwoch – liegt immer genau 46 Tage vor Ostern und läutet die 40-tägige Fastenzeit ein. In manchen Jahren ist die Faschingszeit also schnell vorbei, in anderen darf wochenlang gefeiert werden. Dass Fasching und Fastenzeit eng miteinander verbunden sind, ist übrigens alles andere als Zufall: Denn die Ursprünge sind älter, als man vielleicht vermuten würde.

Woher kommt Fasching?

Vor allem im mitteleuropäischen Raum ist der Fasching tief in uralten Bräuchen und religiösen Ritualen verwurzelt. In den Alpen- und Donaugebieten zogen unsere Vorfahren mit furchteinflößenden Masken, ohrenbetäubendem Lärm und loderndem Feuer durch die Orte, um die bösen Wintergeister zu vertreiben und den Frühling willkommen zu heißen. Aber nicht nur unsere heutigen Faschingstraditionen, sondern auch zahlreiche weitere Masken-,  Lärm- und Feuerbräuche gingen aus diesen vorchristlichen Umzügen im Lauf der Zeit hervor: etwa die berüchtigten Krampus- und Perchtenläufe in der Adventzeit, die bis heute fester Bestandteil der Kultur sind.

Im Mittelalter verschmolzen diese älteren Riten mit dem christlichen Kalender. Die Wochen vor der 40-tägigen Fastenzeit boten die letzte Gelegenheit, noch einmal ausgiebig zu feiern, zu essen und zu trinken – ganz bewusst, als Vorbereitung auf die kommende Phase des Verzichts.

Fasching in der Antike

Die ersten Spuren solcher Feste finden sich allerdings bereits in frühen Hochkulturen wie Mesopotamien, wo man für kurze Zeit die gewohnten Regeln außer Kraft setzte und auch gesellschaftliche Unterschiede in den Hintergrund traten. Im alten Rom gab es ähnliche Feierlichkeiten. Herren bedienten ihre Sklaven, man spottete über Autoritäten und nahm das Leben für ein paar Tage weniger ernst als sonst.

Schon gewusst? Das Wort Fasching stammt vom mittelhochdeutschen „Vaschanc“ ab und bezeichnete ursprünglich den Ausschank des letzten Getränks vor dem Fasten. Fastnacht wiederum – im Mittelhochdeutschen „vastnacht“ – meint schlicht den Vorabend des Aschermittwochs, also die Nacht vor Beginn der Fastenzeit. Und auch Karneval stammt von einem sehr alten Wort ab: Das lateinische „carnelevare“ bedeutet so viel wie „das Fleisch wegnehmen“ oder „Abschied vom Fleisch“.

Von Ost bis West: Faschingsbräuche und -traditionen in Österreich

Fasching ist eine Mischung all dieser Bräuche, die im Laufe der Jahrtausende miteinander verwoben wurden. Wir feiern also den Abschied vom Winter, das letzte Schlemmen vor der Fastenzeit und die Freude daran, für einen Moment die Rollen zu tauschen und die Regeln zu lockern – eine fröhliche Ausnahme vom Alltag.

Wie diese Tradition in Österreich gefeiert wird, unterscheidet sich allerdings von Region zu Region. Hier ein Überblick über die bekanntesten Feste und Bräuche:

Fisser Blochziehen

Im Burgenland und in den Bergregionen Österreichs haben sich Faschingsbräuche erhalten, die auf jene heidnischen Rituale zurückgehen, mit denen unsere Vorfahren einst die Wintergeister verjagten. Kunstvoll geschnitzte Holzmasken, aufwändige Kostüme und ohrenbetäubender Lärm prägen diese Traditionen bis heute. Besonders eindrucksvoll ist das Fisser Blochziehen in Tirol: Ein mächtiger Zirbenstamm von bis zu 35 Metern Länge wird alle vier Jahre von kräftigen Männern auf Holzschlitten durchs Dorf gezogen – begleitet von einem bunten Umzug mit traditionellen Figuren. Seit 2011 zählt dieser Brauch zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe.

Ebenseer Fetzenzug

Nicht minder beeindruckend ist der Ebenseer Fetzenzug in Oberösterreich: Am Rosenmontag ziehen die „Fetzen“ durch die Straßen – Menschen in alten Frauenkleidern, auf die bunte Stofflumpen genäht wurden, die Gesichter hinter handgeschnitzten Masken verborgen. Dieser über 120 Jahre alte Brauch zählt ebenfalls zu den geschützten Traditionen Österreichs.

Ausseer Fasching

In der Steiermark wiederum herrscht beim Ausseer Fasching drei Tage lang regelrecht Ausnahmezustand. Die typischen Faschingsgestalten des Ausseerlandes – die bunt verzierten Flinserl mit ihren glitzernden Kostümen, die lauten Trommelweiber und die winteraustreibenden Pless – ziehen durch die Gassen und sorgen für ein unvergessliches Spektakel. Auch das Murauer Faschingsrennen, bei dem ein aufwendiger Maskenzug von Hof zu Hof wandert und dabei seine ganz eigene Geschichte erzählt, wurde von der UNESCO als Kulturerbe anerkannt.

„Flinserl“ am Ausseer Fasching © Sigfried Zink

Faschingssitzungen und Umzüge

Wer an österreichischen Fasching denkt, kommt am Villacher Fasching nicht vorbei. Die Kärntner Tradition der Faschingssitzungen mit ihren pointierten Büttenreden, musikalischen Einlagen und humorvollen Sketches wird seit Jahrzehnten im Fernsehen übertragen und hat Kultcharakter. Hier wird gelacht, gespottet und mit einem Augenzwinkern Kritik geübt – wie es schon die alten Römer pflegten.

Auch in vielen anderen Orten des Landes ziehen am Faschingsdienstag bunte Umzüge durch die Straßen: beispielsweise in Graz, im Salzburger Raurisertal oder im burgenländischen Güssing.

Niederösterreichisches Gschnas

In Niederösterreich geht es beim Fasching etwas gemütlicher zu als in anderen Bundesländern – doch auch hier kommen die Narren auf ihre Kosten. In Tulln und Mödling ziehen bunte Faschingsumzüge durch die Straßen, die vor allem als Familienfeste beliebt sind. Das Herzstück des niederösterreichischen Faschings ist jedoch das „Gschnas“: traditionelle Maskenbälle, die von lokalen Sport-, Musik- und Tanzvereinen organisiert werden. Die ausgelassenen Feiern machen nicht nur Spaß, sondern füllen auch die Vereinskassen – und so hat fast jede Gemeinde ihr eigenes Gschnas

Besonders sehenswert sind auch die Gardetanzgruppen, die in vielen Orten des Bundeslandes zu finden sind: Hier trainieren Tänzerinnen und Tänzer das ganze Jahr über für ihre akrobatischen Auftritte in der Faschingszeit.

Wien: Fasching am Parkett

In der Hauptstadt sucht man Faschingsumzüge vergeblich – hier feiert man die närrische Zeit vor allem im Ballsaal. Die Wiener Ballsaison ist untrennbar mit dem Fasching verbunden und hat sich als elegante Alternative zu den traditionellen Bräuchen der Bundesländer etabliert.

Punschkrapfen © GUSTO / Herbert Lehmann

Faschingskrapfen & Co: Schlemmen vor der Fastenzeit

Gefeiert wird im Fasching aber nicht nur auf den Straßen und Tanzflächen, sondern auch bei Tisch. Schließlich war das üppige Schlemmen vor der Fastenzeit schon im Mittelalter Pflicht – und diese Tradition lebt in der österreichischen Küche bis heute weiter. Der Star der Saison ist dabei eindeutig der Faschingskrapfen: außen goldbraun, innen flaumig, gefüllt mit Marillenmarmelade und großzügig mit Puderzucker bestäubt. Ob zum Frühstück, als Nachmittagsjause oder zum Abschluss eines Faschingsfestes – ein Fasching ohne Krapfen ist in Österreich schlicht undenkbar. Auch der Punschkrapfen mit seiner leuchtend rosa Glasur darf in der närrischen Zeit nicht fehlen.

Übrigens: Noch mehr Wissenswertes zu Land, Leuten und Kultur in Österreich finden Sie auf unserem Blog – von den großen österreichischen Komponist:innen über die schönsten Musikfestivals des Landes bis hin zu traditionellen Wiener Kaffeearten. Entdecken Sie außerdem die Vielfalt der österreichischen Dialekte und regionalen Trachten oder erfahren Sie mehr über berühmte heimische Autor:innen. In diesem Sinne: Helau, Alaaf, Lei Lei – und viel Spaß beim Lesen!

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