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Brauchtum & Tradition in Kärnten: Kultureller Streifzug durch Österreichs Süden

Österreichs südlichstes Bundesland pflegt sein Brauchtum wie kaum eine andere Region: lebendig, selbstbewusst und tief verwurzelt im Alltag. Die Kärntner:innen feiern ihre Feste, wie sie fallen, und lassen keine Gelegenheit aus, Kultur und Kulinarik zu zelebrieren. Während viele  Bräuche in ganz Österreich anzutreffen sind – etwa Perchten- und Krampusläufe im Dezember  oder das Maibaumstehlen im Frühling –, gibt es doch einige Traditionen, die man als typisch kärntnerisch bezeichnen kann. Diese fünf sollten Sie unbedingt kennen:

Villacher Kirchtag

Anfang August dreht sich in Villach alles um eines: den Kirchtag. Blasmusik in den Gassen, die ikonische Kirchtagssuppe in den Wirtshäusern, und wer einen Platz in einem der Kirchtagsladen ergattert – den urigen Holzbuden, die zur Feiermeile werden – bleibt meistens bis spät in die Nacht. Rund 500.000 Besucher:innen strömen jedes Jahr zum größten Brauchtumsfest Österreichs, viele davon in traditioneller österreichischer Tracht. Für die Kärntner:innen ist der Villacher Kirchtag ein Fixpunkt im Kalender – und ein Wiedersehen, auf das man sich das ganze Jahr freut.

Tipp: Neben Kirchtagen und Dorffesten locken im Sommer in Kärnten sowie im Rest Österreichs zahlreiche Festspiele und Events. Welche Sie auf keinen Fall verpassen sollten, verrät unser Blogbeitrag zu österreichischen Musik-Festivals.

Bleiburger Wiesenmarkt

Wenn Sie in Bleiburg nach dem wichtigsten Termin im Jahr fragen, kommt die Antwort sofort: der Wiesenmarkt. Dieser findet jedes Jahr Anfang September statt – und zwar bereits seit 1393. Was Besucher:innen dort erwartet? Der historische Freyungszug mit Marktordnung und rotem Beutel, die legendäre Lehmkegelbahn, dazu Schmalzkrapfen mit Häferlkaffee und anderen Spezialitäten. Und dann ist da noch der Krämermarkt: vier Kilometer lang, über 300 Stände, und mittendrin urige Schätze, die anderswo längst aus den Regalen verschwunden sind – von handgeschmiedetem Werkzeug bis hin zu Kittelschürzen.

Schon gewusst? Der deutsche Maler Werner Berg war ein begeisterter Besucher des Wiesenmarkts und verewigte das bunte Treiben in zahlreichen Bildern – heute zieren seine Motive sogar die offizielle Bleiburger Trachtenkollektion.

Tag der Kärntner Volksabstimmung

Am 10. Oktober wird’s ruhig in Kärnten: Schulen und Ämter haben geschlossen, in der Hauptstadt Klagenfurt finden Feierlichkeiten statt, und vielerorts werden die Trachten aus dem Schrank geholt. Der Anlass ist die Volksabstimmung von 1920, bei der sich die Bevölkerung für den Verbleib bei Österreich entschied. Ein historischer Moment, der bis heute seinen festen Platz im Kalender hat – und jedes Jahr feierlich begangen wird.

Vierbergelauf

Jedes Jahr am zweiten Freitag nach Ostern, dem sogenannten Dreinagelfreitag, machen sich tausende Pilger:innen auf zu Kärntens ältester Wallfahrt: dem Vierbergelauf. Die Route führt über 52 Kilometer und mehr als 2.000 Höhenmeter rund um St. Veit an der Glan, über die vier heiligen Berge Magdalensberg, Ulrichsberg, Veitsberg und Lorenziberg. Los geht’s um Mitternacht nach der Messe – mit Stirnlampen, festen Schuhen und oft noch klammen Fingern. Unterwegs wird gebetet, gesungen, gerastet und Berglerlaub gesammelt. Denn Efeu, Buchsbaum und Wacholder sollen daheim vor Blitz und Unwetter schützen. Am Wegrand warten Kinder auf Zuckerl, während in den Dörfern Wallfahrer:innen mit Böllern begrüßt werden. Die Tradition reicht weit zurück, vermutlich bis in vorchristliche Zeiten – und bis heute treibt die Menschen der Glaube, die Neugier oder schlicht die Freude am gemeinsamen Gehen an.

Kufenstechen im Gailtal

Im Unteren Gailtal wird zu den Kirchtagen noch geritten – und zwar richtig. Beim Kufenstechen jagen junge Burschen ohne Sattel auf schweren Norikerpferden durch den Ort und versuchen, mit einem kiloschweren Eisenschlägel ein hölzernes Fass zu zerschlagen. Wer es schafft, darf im letzten Durchgang einen Blumenkranz aufgabeln. Danach folgt der Lindentanz: Die Paare treten in der farbenprächtigen Gailtaler Tracht unter der Dorflinde an, die Burschen dabei noch in ihren hohen Reitstiefeln.

Der genaue Ursprung des Brauchs ist bis heute nicht zur Gänze geklärt. Manche vermuten eine Verbindung zu mittelalterlichen Ritterspielen, andere erzählen von Kämpfen gegen die Türken. Sicher ist nur: Im Gailtal wird das Kufenstechen seit Jahrhunderten gepflegt, von Generation zu Generation weitergegeben. Das bekannteste davon findet jedes Jahr am Pfingstmontag in Feistritz an der Gail statt – und steht seit 2010 auf der Liste des immateriellen UNESCO-Kulturerbes.

Neben den großen Festen gibt es in Kärnten aber auch einige nennenswerte Traditionen, die weniger bekannt, aber nicht weniger besonders sind. Beim Christbaumtauchen beispielsweise versenken Tauchgruppen in der Adventzeit geschmückte Christbäume in Kärntner Seen – eine stille Geste im Gedenken an jene, die bei Badeunfällen ums Leben gekommen sind. Im Lavanttal und Görtschitztal kennt man das „Roateln“: Vor Weihnachten wird alles geschärft, was eine Schneide hat, und am Heiligen Abend unter den festlich gedeckten Tisch gelegt. Wer daran glaubt, darf sich Glück fürs neue Jahr erhoffen. Und in Moosburg feiert man jeden Juli das Kaiser Arnulfsfest zu Ehren des einzigen Kaisers, der je aus Kärnten stammte.

Kultur und Kulinarik: Von Reindling bis Chorgesang

In Kärnten lässt sich Brauchtum nicht nur erleben, sondern auch schmecken. Kaum ein Fest gibt es ohne regionale Spezialitäten, kaum eine Tradition ohne das passende Gericht dazu. Was auf den Tisch kommt, ist oft genauso wichtig wie das, was gefeiert wird.

Zu Ostern ist der Reindling der unbestrittene Star der traditionellen Kärntner Osterjause: süßer Germteig mit Zimt, Zucker und Rosinen, gebacken in der Gugelhupfform. Dazu gehört der Eierkren – eine pikante Mischung aus gehackten, hart gekochten Eiern, verfeinert mit frisch geriebenem Kren und Essig, die Osterschinken und Co. eine extra Portion Pepp verleiht. Und am Heiligen Abend? Da kommt im südlichen Kärnten die „grüne Wurst“ auf den Tisch – frisch, nicht geräuchert, serviert mit Sauerkraut und Schwarzbrot.

Nicht ohne Grund trägt Kärnten übrigens seinen Beinamen „Land der Sänger“: Mehrstimmiger Chorgesang hat hier jahrhundertelange Tradition und ist bis heute allgegenwärtig – ob in geselliger Runde im Wirtshaus, bei Festen oder auf Berggipfeln. Auch das Heiligenbluter Sternsingen, bei dem Kinder in der Nacht vom 5. auf den 6. Jänner singend von Haus zu Haus ziehen, zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Kirchtag, Kufenstechen, Kasnudeln: In Kärnten wird Brauchtum in seiner schönsten Form gefeiert. Am besten erlebt man das direkt vor Ort, doch wer schon vorher in Österreich-Stimmung kommen möchte, findet auf unserem Blog allerlei spannenden Lesestoff rund um Land, Leute und Tradition: Von österreichischen Spezialitäten und berühmten Schriftsteller:innen bis hin zum Heurigen-Guide und unseren besten Tipps zum Deutsch lernen. Viel Freude beim Stöbern!

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