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Schulschluss & Sommerferien in Österreich

Wir alle kennen den Moment am Zeugnistag: Die Bankfächer sind leer, die letzten Arbeiten erledigt, und statt neuer Aufgaben warten freie Tage, Sommerpläne und das gute Gefühl, für eine Weile nichts abgeben oder lernen zu müssen. Dass diese freie Zeit ursprünglich alles andere als erholsam war, ahnt man dabei kaum. Wie die Sommerferien entstanden sind und welche Eigenheiten das österreichische Schulsystem rund um Zeugnis und Ferienbeginn kennt, erklären wir hier.

Wann beginnen die Sommerferien in Österreich?

Wann die Ferien starten, hängt vom Wohnort ab, denn Österreich schickt seine Schulkinder gestaffelt in den Sommer. Den Anfang machen Wien, Niederösterreich und das Burgenland, wo die Schulglocke Ende Juni oder Anfang Juli zum letzten Mal läutet. Dass die übrigen Bundesländer (Oberösterreich, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Tirol und Vorarlberg) erst eine Woche später nachziehen, hat einen handfesten Grund. Die Staffelung soll den großen Reiseverkehr entzerren und verhindern, dass ganz Österreich am selben Tag in den Urlaub aufbricht. Auch dem Tourismus kommt es gelegen, dass sich die Gäste über mehrere Wochen verteilen. Für die Schulkinder selbst macht das am Ende keinen Unterschied: Ferien bleiben schließlich Ferien, egal an welchem Tag sie beginnen.

Wie feiert man das Ende eines Schuljahres in Österreich?

So aufregend wie in manchen Filmen geht es am letzten Tag vor den Ferien übrigens selten zu: Statt fliegender Hüte und großer Zeremonien ist der Schulschluss in Österreich eine unaufgeregte Angelegenheit. Oft ist der letzte Schultag nur ein kurzer Vormittag, den manche Schulen mit einer kleinen Feier ausklingen lassen.

Während Volksschüler:innen auch mit dem Zeugnis in der Tasche brav im Klassenzimmer bleiben, lassen sich viele höhere Schulen mit der Vergabe bewusst Zeit und teilen die Zeugnisse erst ganz am Ende des Vormittags aus. Wäre das gute Stück schon in der ersten Stunde verteilt, würde so manchen Teenager nichts mehr im Klassenzimmer halten. Denn auch wenn er sich kein bisschen danach anfühlt: Der letzte Schultag ist rechtlich ein ganz normaler Unterrichtstag.

Das Zeugnis

Anders als das Semesterzeugnis vom Februar zieht das Jahreszeugnis Bilanz über das ganze Schuljahr und entscheidet damit über den Aufstieg in die nächste Schulstufe.

Bewertet wird nach dem österreichischen Notensystem von „Sehr gut“ bis „Nicht genügend“. Ein einzelnes „Nicht genügend“ bedeutet aber noch lange nicht das Ende: In vielen Fällen lässt sich der Fünfer mit einer Wiederholungsprüfung gleich zu Beginn des nächsten Schuljahres ausbessern. Außerdem gibt es in bestimmten Fällen die Möglichkeit einer sogenannten Aufstiegsklausel: Dann entscheidet die Klassen- bzw. Lehrerkonferenz, ob ein Aufstieg trotz negativer Note – also ohne Nachprüfung – möglich ist.

So oder so: Für die meisten überwiegt am Zeugnistag aber die Erleichterung, es geschafft zu haben und in einen unbeschwerten Sommer zu starten.

Zeugnisverteilung an einer österreichischen Schule

Warum wurden in Österreich die Sommerferien eingeführt?

Die Sommerferien sind weit älter als der Gedanke, sie zur Entspannung zu nutzen. Wer früher schulfrei hatte, ruhte sich nicht aus, sondern arbeitete, denn vor allem am Land wurden die Kinder in der Landwirtschaft gebraucht. Die ersten mehrwöchigen Ferien im 18. Jahrhundert fielen deshalb genau in die arbeitsreichste Zeit auf den Feldern. Mit Urlaub hatte das gar nichts zu tun.

“Richtige”  Sommerferien wurden erst 1875 eingeführt, damals noch je nach Region unterschiedlich lang – und insgesamt deutlich kürzer. Warum aus der ländlichen Erntepause schließlich eine landesweite Regelung für alle Schulkinder wurde, ist historisch nicht restlos geklärt. Manche vermuten, dass viele Kinder nach dem langen Schuljahr zu erschöpft waren und man sich um ihre spätere Wehrtauglichkeit sorgte, was aus heutiger Sicht vielleicht etwas kurios klingen mag. Womöglich waren die Klassenzimmer in den heißesten Wochen aber auch schlicht zu stickig zum Lernen.

Dass die freie Zeit tatsächlich der Erholung dient, setzte sich erst um 1900 durch, als Ferienlager und unbeschwerte Sommerwochen nach und nach fixer Bestandteil der Kindheit wurden. Erst zwischen 1950 und 1970 wuchsen die Sommerferien schließlich im ganzen Land auf ihre heutigen neun Wochen an.

Das Schuljahr ist zu Ende, doch österreichische Eigenheiten gibt es weit über das Klassenzimmer hinaus. Werfen Sie mit uns einen Blick auf das Leben in der Alpenrepublik: Alles zur traditionellen Tracht, zu unserem Dialekt, Brauchtümern, regionalen Spezialitäten und mehr finden Sie auf unserem Blog. Viel Spaß beim Lesen!

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