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Die Wiener Ballsaison: Wenn die Stadt zum Ballsaal wird

Rauschende Ballroben, festlich geschmückte Säle und beschwingte Walzerklänge, die durch prunkvolle Räume schweben: Nirgendwo sonst auf der Welt wird so ausgiebig und elegant getanzt wie in Wien. Mit rund 450 Bällen pro Saison trägt die Stadt ihren Titel als Welthauptstadt des Walzers zu Recht. Doch was macht die Wiener Ballkultur so besonders, wie läuft so ein Ball eigentlich ab und welche Veranstaltungen sollten Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen? Das verraten wir Ihnen hier.

Wann findet die Ballsaison statt?

Die Wiener Ballsaison startet offiziell am 11. November um 11:11 Uhr mit Faschingsbeginn. Traditionell wird dieser Auftakt mit einem öffentlichen Walzer- und Quadrilletanzen auf dem Graben in der Wiener Innenstadt gefeiert. Der Höhepunkt der Saison liegt dann im Jänner und Februar, wenn die großen und glamourösen Society-Bälle Besucher:innen aus Österreich und aller Welt anziehen. Der krönende Abschluss findet am Faschingsdienstag statt – danach kehrt wieder Ruhe ein, bis im November die nächste Ballsaison beginnt. Doch der Wiener Ballkalender ist nicht über Nacht entstanden – hinter dem jährlichen Rhythmus steckt eine jahrhundertealte Tradition.

Tradition mit Geschichte: Woher kommt die Wiener Ballkultur?

Die Anfänge der Wiener Ballkultur liegen im 17. Jahrhundert, als am kaiserlichen Hof prachtvolle Feste gefeiert wurden. Ihren ersten großen Höhepunkt erlebte die Balltradition während des Wiener Kongresses 1814/15, als sich Europas Mächte in der Donaumetropole versammelten – und neben politischen Verhandlungen auch ausgiebig das Tanzbein schwangen. Der berühmte Ausspruch „Der Kongress tanzt“ wurde zum geflügelten Wort und steht bis heute sinnbildlich für diese rauschende Zeit.

Was damals dem Adel vorbehalten war, öffnete sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend dem Bürgertum: Berufsverbände, Zünfte und Vereine begannen, eigene Bälle auszurichten – eine Tradition, die bis heute weiterlebt. So entstanden zum Beispiel der Kaffeesiederball, der Zuckerbäckerball und viele weitere Veranstaltungen, die ihre jeweilige Branche stilvoll in Szene setzen.

Der Dresscode: Was trägt man auf einem Wiener Ball?

Ein Ball ist die perfekte Gelegenheit, sich einmal im Leben wie im Märchen zu fühlen – und der Dresscode trägt wesentlich zu dieser festlichen Atmosphäre bei. Die Kleidungsvorschriften variieren von Ball zu Ball und werden auf den jeweiligen Einladungen oder Webseiten genau angegeben. Es empfiehlt sich, diese vorab sorgfältig zu studieren, denn die Veranstalter:innen nehmen den Dresscode sehr ernst. Und wer die Kleiderordnung missachtet, riskiert, den Abend bereits an der Eingangstür zu beenden.

In der Regel gilt für Damen ein bodenlanges Abendkleid oder eine große Ballrobe – Cocktailkleider oder kurze Partykleider sind ein No-Go. Nur die Schuhspitzen sollten unter dem Saum hervorblitzen. Weiß ist den Debütantinnen vorbehalten und damit tabu für alle anderen. Herren erscheinen im Frack oder Smoking, die Krawatte bleibt im Schrank – denn zum Frack gehört die weiße Fliege, zum Smoking die schwarze.

Der Ablauf: Was erwartet Sie auf einem Wiener Ball?

Das Tanzen mag im Mittelpunkt stehen, doch ein Wiener Ball ist weit mehr als Walzer und Polka. Hier ein Überblick über alles, was der Abend sonst noch für Besucher:innen bereithält:

  • Die Eröffnung: Der wohl feierlichste Moment eines jeden Balls ist die Eröffnung. Die Debütant:innen – sie in Weiß, er im Frack – schreiten ein und eröffnen den Ball mit dem ersten Walzer. Sobald das berühmte „Alles Walzer!“ erklingt, ist das Tanzparkett für alle Gäste freigegeben.
  • Musik und Tanz: Von klassischen Orchestern über Tanzkapellen bis hin zum modernen DJ-Set: Wiener Bälle überraschen mit beachtlicher musikalischer Vielfalt. Neben Walzer und Co. finden sich oft auch Bereiche mit zeitgenössischer Musik oder Lounges mit Club-Atmosphäre. Und auch Bälle, die sich ganz der modernen Musik verschrieben haben, sind Teil der Wiener Ballkultur – Beispielsweise der Technoball und Hip Hop Ball.
  • Die Mitternachtsquadrille: Ein Highlight, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten: Ein:e Tanzmeister:in gibt die Kommandos, und die Gäste folgen – Reihen bilden, Partner:in wechseln, drehen, verbeugen. Was nach strikter Choreografie klingt, wird schnell zum fröhlich wirbelnden Durcheinander: schweißtreibend, aber überaus vergnüglich.

Auch abseits des Tanzparketts wird es nie langweilig. Denn viele Bälle bieten ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Showeinlagen, Tombolas, Auftritten von Stargästen oder Fotostationen.

Wiener ZuckerBäckerball © Ripix
Übrigens: Für einen rundum gelungenen Ballbesuch müssen Sie weder Profitänzer noch Profitänzerin sein. Die prachtvolle Atmosphäre zu genießen, durch die festlichen Säle zu flanieren und die eleganten Roben der anderen Gäste zu bewundern, gehört ebenso zum Ballerlebnis dazu wie ein beschwingter Walzer über das Parkett.

Die bekanntesten Bälle

Wiener Opernball

Der Wiener Opernball ist der bekannteste und glamouröseste Ball der Saison. Prominente aus aller Welt geben sich in der prachtvollen Wiener Staatsoper ein Stelldichein, die Eröffnung wird live im Fernsehen übertragen – in vielen österreichischen Wohnzimmern ein fixer Termin. Kein Wunder also, dass die Tickets heiß begehrt und oft innerhalb kürzester Zeit ausverkauft sind.

Und wer beim Opernball selbst nicht dabei sein kann, hat die Möglichkeit, die Generalprobe am Vorabend zu besuchen. Dabei lässt sich die festlich geschmückte Oper bewundern und ein Blick hinter die Kulissen der Eröffnungszeremonie werfen – eine wunderbare Alternative zum Ball selbst.

Ball der Wiener Philharmoniker

Er ist ein musikalischer Höhepunkt der Ballsaison: Im prachtvollen Musikverein, der Heimstätte der Wiener Philharmoniker, eröffnet das weltberühmte Orchester persönlich den Ball.

Zuckerbäckerball

Der „süßeste“ Ball Wiens wird von der Innung der Zuckerbäcker ausgerichtet und findet in der Wiener Hofburg statt. Abseits des Parketts erwarten die Gäste eine Schaubackstube, Ballett und zahlreiche süße Köstlichkeiten.

Wiener Kaffeesiederball

Die Wiener Kaffeehausbesitzer laden in die Hofburg und zelebrieren die berühmte Wiener Kaffeehauskultur in festlichem Rahmen. Zahlreiche Kaffeehäuser in der Innenstadt halten ihre Türen die ganze Nacht über geöffnet, sodass Ballgäste den Abend mit einem traditionellen Ballfrühstück ausklingen lassen können.

Jägerball

Dirndl und Trachtenanzug statt Ballrobe und Frack: Der Jägerball tanzt aus der Reihe – und zieht dabei auch regelmäßig Österreichs politische Elite an. Getanzt wird in den historischen Sälen der Hofburg und der Spanischen Hofreitschule. Und das für einen guten Zweck, denn die Einnahmen fließen in die Förderung von Jagd-, Forst- und Naturschutzwesen.

Elmayer Kränzchen

Eine Besonderheit der Ballsaison ist das Elmayer Kränzchen am Faschingsdienstag. Anders als die meisten anderen Bälle beginnt es bereits am frühen Abend und endet um Mitternacht – der traditionelle Abschluss der Ballsaison, bevor der Fasching sein Ende findet.

Rudolfina Redoute

Ein Ball mit geheimnisvollem Flair: Bis Mitternacht tragen die Damen elegante Augenmasken und haben das exklusive Recht, die Herren zum Tanz aufzufordern. Erst Schlag Mitternacht fallen die Masken – und mit ihnen die Damenwahl.

Blumenball

Der Blumenball im Wiener Rathaus besticht durch seinen üppigen Blumenschmuck und zählt zu den budgetfreundlicheren Bällen – ideal für alle, die die Wiener Ballkultur kennenlernen möchten, ohne tief in die Tasche greifen zu müssen.

Mitternachtsquadrille Wiener ZuckerBäckerball © Ripix

Tickets und Preise: Was kostet ein Wiener Ball?

Entgegen manchem Vorurteil braucht es für einen Ballbesuch keinen Lottogewinn. Die Preise sind erschwinglicher, als viele denken und variieren je nach Veranstaltung. Einfache Eintrittskarten – sogenannte Flaniertickets – bewegen sich meist zwischen 80 und 220 Euro, wobei es nach oben wie nach unten Ausnahmen gibt. Der Wiener Opernball etwa liegt preislich deutlich darüber, während Tickets für kleinere Bälle bereits günstiger zu haben sind. Viele Bälle bieten Ermäßigungen für Studierende und junge Erwachsene an – so lässt sich auch mit kleinerem Budget ein glanzvoller Abend erleben.

Wichtig zu wissen: Im Ticketpreis sind in der Regel nur der Eintritt und der Zugang zu den Räumlichkeiten enthalten. Wer einen Sitzplatz an einem der Tische oder gar eine Loge möchte, muss diese extra reservieren und bezahlen. Auch die Verpflegung – von Getränken bis zum Abendessen – ist nicht inkludiert. Selbst der Zugang zur feierlichen Eröffnung im Hauptsaal ist nicht bei jedem Ball automatisch im Ticketpreis enthalten. Aber eines steht fest: Was auch immer das Ticket kostet, die Erinnerungen an einen Wiener Ballabend sind unbezahlbar.

Die Ballsaison ist nur eine von vielen österreichischen Traditionen, die unser Land so besonders machen. Mehr Spannendes dazu finden Sie auf unserem Blog: Erfahren Sie zum Beispiel mehr über die großen österreichischen Komponisten wie Walzerkönig Johann Strauß, entdecken Sie die wichtigsten Musikfestivals des Landes oder lesen Sie sich schon einmal für den nächsten Song Contest ein. Und für alle, die die kulinarische Seite Österreichs näher kennenlernen möchten, haben wir auch einiges parat: von traditionellen Kaffeespezialitäten über österreichische Speisen bis hin zum gemütlichen Heurigenbesuch. Viel Spaß beim Lesen!

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